Hotel Alpha

STORY 20: In der York’schen Wohnung, im Hinterhaus des Alpha (1986)

Vom Gang aus kann er sie hören. Howards tiefen, humorvollen, sehr männlichen Ton, begleitet von Sarah-Janes Stimme. Die eine sagt das, was sie für die Wahrheit hält, der andere das, von dem er weiß, dass es eine Lüge ist.
Er hört sie und denkt an Chas’ Gesicht, das bestimmt sehr ruhig ist, während er das Gehörte aufnimmt, und das sehr rot und zerschunden war in jener grauenvollen Nacht – die versengten Augen und der kleine Mund, aus dem die entsetzlichsten Schmerzensschreie drangen, die Graham je gehört hat. Was für ein Segen, dass Chas an diese Nacht keine Erinnerung hat. Aber eines Tages würde man ihm die Erinnerung daran zurückgeben müssen. Man muss es ihm sagen. Und genau das tun sie jetzt. Graham steht wie gewöhnlich ganz still da, starr wie eine Säule, und lauscht durch die Tür.
»Weißt du«, sagt Howard, »deine Mutter … deine Mutter war leider … wir hatten nicht mehr die Zeit, sie rauszuholen, verstehst du. Wir konnten sie nicht rechtzeitig erreichen. Mir blieb nichts anderes übrig, als dich zu schnappen und so schnell wie möglich rauszulaufen, bevor das Feuer dich auch noch erwischt hätte.«
»Wir wollten dir sagen …«, sagt Sarah-Jane. »Na ja, wir wollten, dass du die Chance bekommst …«
Na dann, denkt Graham, und verschränkt die Arme vor der Brust. Er krümmt sich ein bisschen, als habe er einen Schlag in den Magen bekommen. Das ist die offizielle Version der Geschichte. Darauf hatten sie sich geeinigt.


Entdecken Sie das »Hotel Alpha« von Mark Watson: Zum Katalog