Hotel Alpha

STORY 60: Zimmer 50 (1972)

REFRAIN:
I can’t live without you, but I’m going to have to try
I can’t live without you, so I need to live a lie
I can’t live without you, but no one told the fates
I can’t live without you, but I’m telling you too late

STROPHE 1:
Meant to be together – that’s a phrase you hear them say
With you and me, you must agree, it really felt that way
You tell me now you have to go, you’re someone else’s man
Why did I kid myself the world might have a different plan?

REFRAIN
STROPHE 2:
Destiny’s a sweet idea when things are going well
But it’s no use blaming heaven when you’re in your private hell
Now I’m going to live a shadow-life, where nothing seems quite real
And it’s no one else’s problem that I feel the way I feel.

REFRAIN, GITARRENSOLO

STROPHE 3:
So maybe the impossible is what I have to do
I have to just admit the world did not mean me for you
Cause nothing’s written in the stars, the stars are far away
And they don’t know or care whether we’ll meet again some day
And I can’t live without you, but … etc.

Die dritte Strophe machte ihr Sorgen. Sie hatte keine Idee, wie sie die bisherigen Themen des Songs zusammenführen sollte. Die Vorstellung, man könne daran glauben, dass etwas einfach geschehen müsse; man könne hundertprozentig davon überzeugt sein, dass man für diesen oder jenen Job gemacht sei oder dass man selbst und eine andere Person füreinander bestimmt seien und dass all das im großen Buch der Vorsehung geschrieben stehe – doch in Wahrheit gibt es diese Vorsehung überhaupt nicht. Das Universum schuldet einem gar nichts. Das Leitmotiv hatte sich sehr schön ergeben, und sie hatte die Akkorde letzte Woche in einem Hotel in Middlesbrough ausgearbeitet, und einen Großteil des Textes im Zug hierher. Dieses Hotel ist viel angenehmer – sie hätte es sich nie leisten können, aber ihre Tante kennt den Besitzer, der offensichtlich richtig berühmt ist –, doch der Komfort hatte anscheinend ihre Kreativität gelähmt. Das frische weiße Leinen, die schimmernden Badarmaturen, der kleine Kühlschrank mit den Miniflaschen, der Blick auf den Post Office Tower schienen die Region ihres Gehirns zu betäuben, die sie zum Texten animierte.
Dann war sie aus der Dusche gekommen und hatte sich eines der riesigen weißen Badetücher geangelt – sie konnte kaum glauben, wie groß und flauschig sie waren, sie fühlten sich an wie Wolken –, und dann sah sie hoch und erblickte ein Bild von dem Typen auf dem Mond, und über ihm strahlten all die Sterne. Strahlen sie über einem, wenn man im Weltraum ist? Oder eher um einen herum? Egal, das jedenfalls war es, was sie inspirierte: »Written in the stars«. In den Sternen soll unser Schicksal geschrieben stehen? Nein, nichts ist vorherbestimmt, in den Sternen steht so wenig geschrieben wie auf den Fliesen im Badezimmer. Sie war ganz begeistert, wie sie das aufgegriffen und verarbeitet hat. Sie war sofort zurück ins Zimmer gegangen und hatte nackt wie sie war (aber den Anblick ihres molligen Körpers im Spiegel meidend) schnell die letzte Strophe niedergeschrieben.
Erst jetzt, als sie in den Schlaf hinüber gleitet, fällt ihr wieder ein, was sie in einem Interview mit einem Mitglied der Rolling Stones gelesen hat. Sie hätten »2000 Light Years from Home« in diesem Hotel geschrieben, und sie erinnert sich daran, dass der Kerl sagte, er habe sich in einem der Hotelzimmer versteckt, und die Zeile sei ihm eingefallen, als er das Foto eines Astronauten erblickte. Also muss es in diesem Zimmer gewesen sein. Das ist ja großartig, das muss eine Art Omen sein.
In den folgenden Jahren, wenn der Song ein bekannter, häufig gecoverter Klassiker sein wird, werden die Leute sie fragen, um wen es in diesem Lied geht, wer ihr Herz gebrochen hat, welche nicht zustande gekommene Beziehung es beschreibt. Sie werden es ihr nie wirklich abnehmen, wenn sie sagt, dass es da niemanden gab, dass sie das Lied einfach geschrieben hat, um eine bestimmte Idee auszudrücken, die ihr gekommen ist wie jede andere Idee auch. Die Leute werden weiter nach biografischen Hinweisen, nach der einen wahren Bedeutung suchen. Die Leute sind immer ganz scharf auf Bedeutung.


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