Hotel Alpha

STORY 98: In der Alpha-Bar (2001)

Wir freuen uns, Ihnen hiermit die 22. Ausgabe des Swan-Hotelführers zu präsentieren. Wie in jedem Jahr möchten wir Sie auch in diesem wieder umfassend und verlässlich über die 150 besten Hotels Großbritanniens informieren, was wir durch eine einzigartige Methode garantieren können: Alle unsere Besprechungen stammen vom gleichen Tester, Ihrem Autor, der bis zu 200 Nächte pro Jahr in unterschiedlichen Hotels verbringt. Dieser Autor hat den Anspruch, jedes der konkurrierenden Hotels alle drei Jahre zu besuchen und sämtliche Veränderungen zum Guten oder Schlechten zu dokumentieren. Dies ist ein zeitaufwendiges und manchmal mühseliges Verfahren, doch es bringt jedes Jahr einen Hotelführer hervor, dessen Integrität, wie wir zu behaupten wagen, schwer zu übertreffen ist.
In den letzten 22 Jahren ist diese Integrität nie infrage gestellt worden. Der Swan-Hotelführer hat sich in der Branche seinen hart erarbeiteten guten Ruf bewahrt und mit seinen Empfehlungen für viele Tausende zufriedene Hotelgäste gesorgt. Doch nun befinden wir uns an einem Wendepunkt in der Geschichte der Hotelkritik: eine Wegkreuzung, an der ohne Übertreibung die Zukunft solcher Unterfangen insgesamt auf dem Spiel steht.
Die wachsende Verbreitung des Internets hat es allen Menschen ermöglicht, kritisch ihre Meinung zu äußern. Nicht nur über Hotels, auch über Bücher, Restaurants und viele andere Dinge werden nun in Sekundenschnelle Urteile gefällt – von Leuten, die ihre Qualifikation auf diesen Gebieten nie unter Beweis gestellt haben.
Ihr Autor reklamiert selbstverständlich keine von Gott verliehene Autorität oder das letzte Wort hinsichtlich der Qualität eines Hotels für sich. Aber der Swan-Hotelführer gelangt zu seinen Urteilen in einem analytischen Prozess, der schwerlich zu übertreffen ist. Wir wagen zu behaupten, dass kein anderer Hotelkritiker öfter den Zimmerservice bestellt, die Zeit von Wasserkochern gestoppt, widerspenstige Gegenstände die Toilette hinuntergespült sowie die Härte von Matratzen und die Wärme von Daunendecken geprüft hat.
So aufwendig dieses Vorgehen zeitweise sein mag, ist es doch Garant für die Verlässlichkeit und Sorgfalt, die es der geschätzten Leserschaft des Buches erlauben, den Bewertungen voll und ganz zu vertrauen. Wir sind nicht der Ansicht, dass die große anonyme Mehrheit derer, die in wachsender Zahl auf Websites Hotels »bewerten«, bei dieser Aufgabe eine solche Sorgfalt an den Tag legen.
Ohne Zweifel hat der Aufstieg des Internets und die zunehmende Abhängigkeit von Computern auch ihre guten Seiten. Wir möchten an dieser Stelle nicht über die stetig wachsenden Möglichkeiten der Kommunikation und den freien Austausch von Informationen lamentieren, die zu den großen Entwicklungen unseres Zeitalters gehören. Nichtsdestoweniger sind wir besorgt darüber, wie häufig diese Informationen – ganz unzutreffend – für bare Münze gehalten werden.
Ihr Autor und alle anderen, die zur Entstehung des Mike-Swan-Hotelführers beitragen, hoffen aufrichtig, dass unsere geschätzten Leser diesen Unterschied auch weiterhin zu würdigen wissen. Der Ladenpreis des Buches spiegelt die zu seiner Erstellung aufgewandte Arbeitszeit wider. Er kann nicht, wie Websites, gratis sein. Bücher, Zeitungen und Zeitschriften werden wohl in den kommenden Jahren mehr und mehr von der Treue ihrer Leser abhängig sein. Als Dank für diese Treue werden wir auch weiterhin – noch mindestens 22 Jahre, so bleibt zu hoffen – einen Service bieten, den auch unsere elektronischen Konkurrenz nicht übertreffen kann.

Archiviert unter www.bygonepublications.com
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